Investment-Psychologie

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Die unterschiedlichen psychologischen Fallen beim Investieren und wie man sie überwindet.

Was hat Psychologie mit Investment zu tun?

Beim Investieren kommt es manchmal vor, dass man große Verluste macht, obwohl man eine gute Strategie hat. Das passiert vor allem Anfängern, kann jedoch auch einem langjährigem Investor passieren. Die Ursache des Problems ist nämlich die menschliche Psyche. In diesem Beitrag erkläre ich einige psychologische Effekte anhand von Beispielen aus meiner persönlichen Erfahrung.

Die Verlustaversion ist ein Effekt, der von Daniel Kahneman und Amos Tversky beschrieben wurde. Sie finden heraus, dass ein Verlust für Menschen schwerer wiegt als ein gleich großer Gewinn und nennen es Verlustaversion. "Schnelles Denken, langsames Denken" ist das 2012 erschienene Buch von Daniel Kahneman. In diesem Buch beschreibt er, dass das menschliche, intuitive Denken nicht in der Lage ist Stastistisch korrekt zu arbeiten. Es lässt sich leicht beeinflussen und der Autor beschreibt auch genau wie.

Die Ergebnisse der zahlreichen Experimente von Kahneman und Tversky kann man auch auf den Aktienhandel anwenden. Kahneman erklärt beispielsweise, dass der Besitz eines Objekts (oder auch einer Aktie) dazu führt, dass man ihm einen höheren Wert zuschreibt. Dies führt dazu, dass man eine Aktie im Verlust nicht verkaufen will, auch wenn die Wahrscheinlichkeit weiteren Verlust zu machen hoch ist. Er schreibt, man soll Investitionen immer in der Außensicht betrachten. D.h. als Teil des Gesamtportfolios. Wenn du von einem Unternehmen erwartest, dass es in Zukunft an Wert verlieren wird, dann solltest du die Aktien verkaufen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du mit dem Verkauf einen Verlust oder einen Gewinn machst. Es geht einzig und allein um die Optimierung des zukünftigen Gewinns für dein Portfolio.

Ich habe mich schon bevor ich mein erstes Investment in Aktien getätigt habe mit der Psychologie des Anlegens beschäftigt und tue dies auch weiterhin. Das war wichtig für mich, denn ohne dieses Wissen hätte ich bestimmt schon einige große Fehlinvestments bzw. Fehltrades gemacht.

Verlustaversion

Sinkt der Kurs einer Aktie im eigenem Besitz in ihrem Wert, so hat man 3 Möglichkeiten: Nachkaufen, Verkaufen oder gar nichts tun. Ein typisches Denkmuster sieht folgendermaßen aus: Der Kurs fällt und man möchte den Verlust wieder ausgleichen. Die Aktie wird weiterhin gehalten, denn wenn man verkaufen würde, hätte man einen sicheren Verlust. Dadurch, dass man die Aktie behält, hat man immerhin noch die Chance positiv auszusteigen. Die Aktie sinkt weiter - eventuell kauft man sogar nach, denn so kann man hat man bei wieder steigendem Kurs einen Gewinn gemacht. Der Kurs sinkt weiter und man kauft weiter nach. Dann sinkt der Kurs noch weiter und man hält es nicht mehr aus. Es ist bereits zu viel Geld in diese Aktie geflossen und es gibt keinen Hinweis auf eine Besserung - Man verkauft mit großem Verlust. In diesem Beispiel passiert das ärgerlichste, was passieren kann: Der Kurs steigt wieder ordentlich an.

Die Strategie hätte in diesem Beispiel funktioniert und am Ende wäre ein Gewinn heraus gekommen, doch aufgrund der eigenen Psyche wurde die Strategie an der schlechtesten Stelle abgebrochen. Das ist kein Fantasie-Beispiel, denn etwas ähnliches ist mir selbst bei einer Aktie passiert. In diesem Fall habe ich nicht nachgekauft, doch ich wollte die Aktie des öfteren beim nächsten kleinen Kursanstieg verkaufen. Das habe ich jedoch nie getan, da ich den Verlust nicht realisieren (durch einen Verkauf festlegen) wollte. Ich habe mich entschieden die Aktie nicht zu verkaufen, da ich glaube das Unternehmen kann sich erholen. Doch sollte ich eine Gelegenheit für ein besseres Investment sehen und gerade kein Geld auf dem Verrechnungskonto haben, dann werde ich sofort verkaufen - ganz egal wie der Kurs steht. Denn in diesem Fall wäre mein Geld bei der neuen Gelegenheit einfach viel besser aufgehoben.

Gewinnmitnahme

Wenn der Kurs steigt, so bekommt man oft das Gefühl man sollte eine Gewinnmitnahme machen. Das bedeutet, man verkauft die Position um sich vor einem erneutem Fall des Kurses zu schützen. Es wäre natürlich perfekt, wenn man genau beim höchsten Kurs verkauft und bei sinkendem Kurs eventuell wieder nachkauft. Doch es ist unmöglich zu wissen wann der perfekte Zeitpunkt ist. Zudem kann man sich auch nie sicher sein, ob der Kurs überhaupt jemals wieder unter den aktuellen Preis fallen wird. Das ist das Gegenstück zur Verlustaversion, wobei man hier eher dazu tendiert zu früh zu verkaufen.

Außensicht

Um Investments besser bewerten zu können sollte man die Außensicht nach Kahneman verwenden. Wenn man ein einzelnes Investment als Teil eines größeren Portfolios sieht, und unabhängig von dem Investmentzeitpunkt betrachtet, so stellt sich nur eine Frage: Wird das Investment in Zukunft Gewinn bringen oder nicht. Um diese rationale Denkweise umsetzen zu können, ist es hilfreich ausreichend zu diversifizieren. Wenn dann ein einzelnes Investment im Wert sinkt, macht es im Gesamtportfolio keinen großen Unterschied und man bewahrt leichter einen kühlen Kopf. Zudem sollte man sich vor dem Investment eine Meinung zum Unternehmen bilden. Dadurch ist es leichter zu entscheiden was in der jeweiligen Situation gemacht werden soll. Wenn du von einem langfristigen Wachstum des Unternehmens überzeugt bist und der Kurs fällt, dann ist nachkaufen die beste Option. Wenn der Kurs steigt, so ist halten besser, denn der Wert des Unternehmens soll ja langfristig steigen und es währe schade zu früh auszusteigen. Bist du jedoch nicht vom langfristigem Wachstum überzeugt, so ist es besser einen kurzfristigen Gewinn mitzunehmen und bei Kursrückgängen rechtzeitig auszusteigen.

deine persönliche Investmentstrategie

Zu wissen wie man in Aktien investiert, ein Aktien-Portfolio mit einer passenden Diversifikation zusammenzustellen und nur Geld anzulegen, welches man für einige Zeit nicht braucht, ist bereits sehr gut. Doch ich möchte dich auch dazu ermuntern dich mit der eigenen Psyche zu beschäftigen. Denn die beste Strategie hilft dir nichts, wenn du sie aufgrund von Verlustängsten nicht durchziehst. Es kann schnell passieren, dass man einer Aktie beim sinken zusieht, es schließlich nicht mehr aushält un zum schlechtesten Zeitpunkt verkauft. Daher habe ich nicht gleich mein ganzes Geld investiert. Ich habe mich über ein paar Monate an das Auf und Ab der Märkte gewöhnt und nach und nach mein Portfolio aufgebaut. Ich würde dir auch empfehlen dich in die Situation eines Bärenmarktes (sinkende Kurse) zu versetzen und zu überlegen wie viel Geld du in dieser Situation maximal investiert haben kannst um noch ruhig zu schlafen. Es kommt durchaus vor, dass eine Aktie über Monate hinweg immer weiter sinkt, um das Tief bei -30% oder -50% zu erreichen. In einem Aktien-Crash kann es sogar 2 Jahre lang abwärts gehen, bis die Kurse endlich wieder steigen. Wenn du überzeugt von den Unternehmen bist in die du Investiert hast, dann ist logischerweise das Kurzfristige sinken des Kurses auch kein Problem. Rational gedacht wäre es sogar am besten immer wieder weiter zu investieren während die Kurse fallen, denn du bist ja von den Unternehmen überzeugt. Doch du musst auch psychisch damit klar kommen. Die investierte Summe darf also nicht zu wichtig für dich sein. Damit meine ich, es ist auch in Ordnung, wenn das Geld für 10 Jahre im Depot bleibt.

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